Montag, 31. Januar 2011

Youssou N'Dour in Concert

Knapp 3 Wochen im Land (Wow geht das schnell) und schon bietet sich mir die Gelegenheit den wohl bekanntesten Senegalesen aus nächster Nähe zu erleben. Youssou N’Dour. Wer diesen tollen Musiker noch nicht kennt, sollte sich schleunigst mal ein paar Lieder anhören. Sogar einen Tag vor dem Konzert kann ich noch eine Karte ergattern. Eine halbe Stunde vor Beginn mach ich mich auf den Weg, denn im Gegensatz zu Veranstaltungen bei denen senegalesiche Organisatoren ihre Finger im Spiel haben, fangen die Konzerte im Institut Français halbwegs pünktlich an. Und so ist es auch kurz nach 21 Uhr hält das Publikum den Atem an …
 
… und als Youssou N’Dour die Bühne mit seiner Gefolgschaft aus Trommlern, Keyboardern, Gitarristen, Backgroundsängern betritt, kann sich die Menge nicht mehr zurückhalten und empfängt den Weltmusiker mit tosendem Applaus, der gerade mal die 40dB-Marke misst. Das war aber auch schon fast zu viel der Begeisterung. Schnell sinken die Hände wieder auf die Knie, wo sie bis zum Ende des ersten Stückes ihre Ruhe finden. 
Ihr seht ja selbst….Stühle. Damit die vielen „Expatriés“ es sich bei einem Gläschen Rotwein gemütlich machen können, wurde die Tanzfläche mit Stühlen zugepflastert und zwar so eng gestaffelt, dass selbst das kürzeste Tanzbein nicht geschwungen werden kann. Alles was auf dem Foto überlichtet ist, das sind die vielen Bleichgesichter, die paar schwarzen Pixel stehen für die wenigen Senegalesen die ihrem Landsmann zujubeln. 
 
Möglicherweise können wir Nordländer ja gar nichts dafür, dass wir keinerlei Rythmusgefühl besitzen und stocksteif auf unseren Stühlen verharren, während andere Völker scheinbar eine ganze Armee Zappelphilipps verschluckt zu haben scheinen. Vielleicht sind unsere Gelenke aber auch nur durch die ständige Kälte (ist doch sicher kalt bei euch oder?) einfach ein bisschen steif geworden.
Nach einer Weile, die sicherlich so 60min. andauert, hat es Youssou N’Dour mit seiner Bande geschafft die frostigen Gelenke der Bleichgesichter zu enteisen. Bis zum Ende der Vorstellung wiegen sie nun tapfer ihren verkrampften Körper im Takt des Reggae-Beats.
Trotz widriger Voraussetzungen wurde es dennoch ein tolles Konzert! :-)

Montag, 24. Januar 2011

Dead End


 
Die ehemaligen Kolonialmächte brachten die Eisenbahn nach Afrika um Rohstoffe einfacher aus dem Landesinneren an die Küste befördern zu können. Dadurch verfügen die meisten afrikanischen Länder heute nicht über ein komplexes Schienennetz, sondern oft nur über eine geradlinige Verbindung ins Landesinnere. Die Eisenbahnstrecke im Senegal sollte Dakar mit dem Niger-Fluss verbinden um so den Gütertransport an den Atlantik zu erleichtern. Seit dem Bau der Strecke Anfang des 20. Jh. scheint jedoch kein Geld mehr in die Unterhaltung gesteckt worden zu sein. Der Kopfbahnhof in Dakar, ein Überbleibsel längst vergangener Tage. Hier fährt nur noch gelegentlich ein Zug nach Bamako. Abfahrtszeit ungewiss, Fahrtdauer unterliegt der Anzahl der Entgleisungen und anderen Vorkommnissen unterwegs.
Doch all das soll sich ändern wenn es nach Präsident Abdoulaye Wade geht. Denn das Schienennetz soll auf normale Spurenweite umgestellt werden und ausserdem noch ausgebaut werden. Dazu sollen in denen nächsten Jahren hunderte Miliarden F CFA investiert werden. Neben diesem gigantischen Vorhaben wurden noch weitere sogenannter Grossprojekte vom Präsidenten persönlich initiiert. Beispielsweise ein neuer internationaler Flughafen, der jährlich bis zu 3 Mio. Fluggäste empfangen soll. Eine weitere Wahnsinnidee ist die Planung einer komplett neuen Stadt, die Dakar entlasten soll und neues politisches und administratives Zentrum werden soll. Fast könnte man meinen man befinde sich auf der arabischen Halbinsel, der Geburtsstätte verrückter Grossprojekte, mit dem einzigen Unterschied, dass der Goldesel hier nicht so viel ausspuckt. 



Dienstag, 18. Januar 2011

Voilà début

Blick auf die "Statue de la Renaissance Africaine"
Seit nunmehr einer Woche befinde ich mich auf der anderen Seite des Mittelmeers. Am Wochenende fand ich dann auch endlich mal Zeit Dakar ein wenig zu erkunden.Zusammen mit einer Bekannten von Désirée, einer anderen Praktikantin, und deren Anhang haben wir einen Ausflug auf die Ile de Gorée gemacht. Die Insel gehört seit 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Biszur Abschaffung der Sklaverei wurden hier jährlich bis zu 500 Sklaven verschifft. 
Heute zählt Gorée zu den Hauptattraktionen Dakars, hier kann man der Grossstadthektik für einige Stunden entfliehen und  die Ruhe geniessen. Die Insel ist auch in Zeiten von nicht abebbenden Touristenströmen noch von Einheimischen bewohnt, alles wirkt authentisch und noch ist das Bild nicht von Hotelklötzen getrübt. 

Ile de Gorée

Unser Ausflug endete selbstverständlich nicht als wir wieder im Hafen Dakars angekommen waren, sondern wir mussten noch unbedingt mit der Sippschaft zu Abend essen. Obwohl wir eigentlich nach Hause wollten da es schon recht spät wae, wurde uns versichert das Essen sei auch schon fertig. Wir haben dann auch recht schnell nach etwa einer Stunde Warten angefangen mit essen. So langsam gewöhnt man sich an die Zeitangaben. 
Ein Fettnäpfchen habe ich schon voll erwischt: Ankunft mit dem Taxi  auf dem Weg zu Désirées Freundin Kya. Wir steigen aus und gleich steht schon ein kleines Mädchen vor mir und streckt die Hand aus. Natürlich kann man hier nicht jedem Bedürftigen etwas geben und so auch in diesem Fall. Ich dreh mich weg und wir wollen los gehen, als das Mädchen fragt ob wir zu Kya wollen. Sie sei nämlich ihre Schwester und sollte uns abholen. Später wurde die Geschichte dann zum Gelächter der ganzen Familie (und die Familien sind gross) vorgetragen. Lektion der Geschichte: Wenn dir jemand die Hand entgegenstreckt, ergreife sie und schüttele sie!


Dakar "Skyline"