Mittwoch, 6. April 2011

Die kleinen Dinge ...

Unfreiwillige kalte Dusche am Morgen

Die Aufmerksamkeit der Taxifahrer, 
deren Hupen mich vollends wach werden lässt
die auf der dicht befahrenen Strasse den Rückwärtsgang 
einlegen um mich aufzugabeln

Ich erwidere ihre Zuneigung allerdings nicht und nehm ein "car rapide"

Das alltägliche Frühstück bestehend aus Schokoladenbaguette und "Kaffee",
der so viel Zucker enthält, dass der Löffel senkrecht drin stehen bleibt

Die Essensbudenbesitzerin die nach 3tägigem Ausbleiben unserer Anwesenheit
im Büro aufkreuzt und sich erkundigt warum wir nicht mehr zu ihr kommen


Das Begrüssungsritual, bestehend aus mehreren 
aufeinanderfolgenden "ça va?"s und "ça va!"s.  
Die sinnlose Frage "et la matinée, ça se passe bien?"

Der betäubende Gestank des Generators 
wenn mal wieder mehr Strom nachgefragt wird
als der Staat gerade gewillt ist zu liefern

 Das Feilschen um des Feilschens Willen


Die Pünklichkeit mit der alle eine Stunde zu spät kommen


All das werd ich irgendwie vermissen!

Auf bald,  

إن شاء الله
(Inshallah)









Sonntag, 27. Februar 2011

B-b-bird, bird, bird is the word! (The Trashmen : Surfin' Bird)


Dieses Wochenende sollte mal wieder ein Ausflug anstehen, welcher eine schöne Abwechslung von dem eher mässig interessanten Dakar bieten sollte. Deswegen wollten Laura (eine andere luxemburgische Praktikantin) und ich nach St. Louis in den Norden des Landes um den Parc du Djouj zu besuchen. Für die 260km lange Strecke sollten wir fast 6 Stunden benötigen, was weniger am Strassenzustand lag, sondern eher daran, dass der Fahrer unbedingt noch einen Blumentopf kaufen wollte. Nach mehrmaligem Anhalten und den obligatorischen Preisverhandlungen hatte er jedoch noch immer keinen Blumentopf gefunden und wir setzten die Fahrt fort. Die Beobachtung diverser Unfallfahrzeuge trug indes nicht unbedingt zur Entspanntheit der Insassen bei. 
St. Louis liegt zum Teil auf einer Insel an der Flussmündung des Senegal-Flusses. Die besagte Insel ist nur durch eine einzige Brücke mit dem Festland verbunden. Genau diese sollte nun am Tag unserer Ankunft repariert werden und so unpassierbar sein. Damit fiel auch unser Plan ins Wasser auf der Insel zu nächtigen. Stattdessen fanden wir spontan eine andere Herberge. Solange man das Licht anliess war es akzeptabel, knipste man es allerdings aus und gleich wieder an, konnte man beobachten wie der Boden sich bewegte. Wir waren scheinbar in einer Kakerlakenzuchtstation gelandet...
Am anderen Morgen fuhren wir gleich in den Nationalpark Djouj, dem drittgrössten ornithologischen Reservat der Erde mit über 3 Millionen Vögel rund 400 verschiedener Arten. Uns zeigten sich tausende Pelikane, ausserordentlich faszinierend die Vögel in solch grosser Zahl zu beobachten.
Hier einige Eindrücke die man nicht so gut in Worte fassen kann: 

Sonntag, 20. Februar 2011

Blackout


In manchen Ländern gibt es dich scheinbar im Überfluss,
Dort wirst du konsumiert ohne dass man einen Gedanken an dich verschwendet.
In anderen Teilen der Welt jedoch bist du eine Rarität
Und dein Erscheinen versetzt Menschen in Freude.
So ist es mit dir wie mit vielen Dingen,
Wenn man sie hat, nimmt man sie nicht mehr wahr,
muss man darauf verzichten, dann sehnt man sich nach ihnen.
Im Senegal bestimmst du den Tagesablauf vieler Menschen.
Wenn du verschwindest, gehen die Lichter aus.
Bildschirme hören auf zu flimmern,
Das Eis im Gefrierschrank taut auf,
Selbst der Muezzin wird ganz still.
Bleibst du mal wieder aus,
Gehen in den Häusern die Kerzen an
Und man tut etwas ungewöhnliches:
Man liegt nur da und unterhält sich.

Ich verzichte hin und wieder gerne auf dich,
Und trotzdem, lieber Strom,
Bin ich froh, dass es dich gibt.
Bislang gab es noch keinen Tag an dem ich im Senegal bin an dem der Strom nicht mindestens für ein paar Stunden ausgefallen ist. Meistens bleibt es 2x täglich aus, allerdings ist es schwer vorherzusehen wann und wie lange genau. Auf der Arbeit haben wir einen Generator, der wrid dann angeschmissen und das ganze Gebäude erfüllt sich mit einem abscheulichen Benzingestank. Es ist ein Wunder, dass dort noch keiner an einer Stickstoffvergiftung gestorben ist. Allerdings kommt es auch schon mal vor, dass jemand vergessen hat Benzin für den Generator zu holen. Dann haben wir zwar keinen Strom, aber wenigstens weder Gestank noch Lärm.
Ausserdem macht einem der Strom manchmal einen Strich durch die Abendplanung. Einfach mal einen Film schauen oder nach hause telefonieren stellen sich als ernst zu nehmende Herausforderungen im senegalesischen Alltag heraus.
Trotz allem gewöhnt man sich schnell an die mittlerweile nicht mehr so neuen Umstände und man wird sogar ein bisschen spontaner.

Dienstag, 8. Februar 2011

Forum Social Mondial - was bisher geschah...


Das Weltsozialforum wurde 2001 in Porto Alegre (Bra) als Gegenveranstaltung 
zum Weltwirtschaftsforum in Davos ins Leben gerufen und soll eine Austauschplattform ür Globalisierungskritiker aller Länder schaffen. Unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" versammelten sich auch zum zehnjährigen Jubiläum des Forums über 50.000 Menschen in den Strassen Dakars.

Erwartungsvoll begab ich mich am ersten Tag der Veranstaltungen zur Cheikh Anta Diop Universität in Dakar, hier sollten alle Konferenzen, Debattiersitzungen usw. stattfinden. Ein denkbar ungünstiger Tagungsort, denn die Uni ist mit ihren rund 60.000 Studenten nicht nur hoffnungslos überfüllt. Des Weiteren ein äusserst ungünstiger Zeitpunkt denn die Veranstaltungen finden in der Klausuren-Phase der Studenten und auch in deren Hörsälen statt. 

Das Programm für Montag beinhaltet schlappe 341 Veranstaltungen. Nachdem ich mich mühevoll für 2 entschieden hab (da sich etliche interessante auch noch überschneiden) versuche ich den Saal der ersten aufzuspüren. Noch 45. Min Zeit, das reicht locker. Jedoch will entweder keiner den gesuchten Raum kennen oder alle haben sich gegen mich verschworen und schicken mich immer wieder woanders hin. Selbst nachdem ich mich einer verzweifelten Gruppe aus Mitsuchern angehängt habe, bleibt es uns verwehrt den besagten Raum zu finden und an der Veranstaltung teilzunehmen... 

Somit heisst es 3 Stunden warten. Naja die Zeit kann man sich am besten mit was zu Essen vertreiben. Es gibt lecker Brötchen mit Senf, Zwiebelsauce und so eine Art aus gefüllten Teigbällchen, yummi! Ich such mir ein schattiges Plätzchen und esse bis ein Typ ankommt und Geld haben will und erzählt er habe schon seit gestern nichts gegessen. Ich biete ihm statt Geld mein halbes Brötchen an, was er zuerst ablehnt und weiterhin auf eine Geldspende beharrt. Schliesslich nimmt er das Brötchen doch, um es dann wenige Meter vor mir demonstrativ auf den Boden zu pfeffern und genüsslich mit der Schuhsohle zu zermalmen. 
 
Verdammte Axt, ich glaub's ja nicht!

der Tag wurde allerdings auch nicht besser. Den Raum der zweiten Veranstaltung fand ich zwar, allerdings wollte da auch noch eine andere Gruppe hinein. Da der Raum ohnehin von Studenten belegt war und die Diskussionsleiter nicht auftauchten, war der Tag für mich gelaufen. 
 
Wie der zweite Tag verlaufen ist will ich jetzt nicht im Einzelnen schildern, man lese sich einfach den oberen Textabschnitt nochmals durch (und streicht die Brötchen-Geschichte).
 
Alles in allem ein Meisterwerk an organisatorischem Unvermögen. Es drängt sich die Frage nach der Effektivität einer solchen Massenveranstaltung auf. In solch einem chaotischen Klima lassen sich sicherlich keine innovativen Ideen zur Weltverbesserung generieren. Ganz nach dem Motto "Eine andere Welt ist möglich", so wird das allerdings nichts.     

Samstag, 5. Februar 2011

Die mobile Kinderkrippe


Westeuropa früh morgens: Der kleine Schreihals der einem mal wieder den Schlaf geraubt hat, wird eilig in seinen Strampler gesteckt. Kaum ist er auf der Welt und schon wird ständig rumgenölt. Schnell gibt’s noch ein Fläschen auf ex, dann geht’s in den Wagen und ab Richtung Krippe. Man muss ja schliesslich zur Arbeit. 

Westafrika noch früher morgens: Der kleine Schreihals ist nicht der einzige der einem Nachts den Schlaf geraubt hat, da sind ja noch die sieben anderen Kinder die unruhig geschlafen haben. Der Kleine wird an die Brust gehängt während die Vorbereitungen für das Frühstück erledigt werden. Arbeit bedeutet hier die Zeit in der man nicht schläft, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang (dies trifft für die örtliche männliche Gattung sicherlich weniger zu). 
 
Westeuropa im Laufe des Tages: Man sitzt im Büro und weiss, dass für der kleine Scheisser ordentlich versorgt wird, die Windeln gewechselt werden und er was anständiges zu essen bekommt. Ruhigen Gewissens lässt es sich der Arbeit nachgehen, bald ist man ja wieder zuhause und kann sich selber kümmern. 

Westafrika im Laufe des Tages: Nachdem der Kleine fertig genuckelt hat, wird er sorgfältig mit einem Tuch auf den Rücken gebunden. Manchmal sieht das nicht sonderlich gemütlich aus, insbesondere wenn diverse Körperteile eingequetscht oder verdreht werden, die Mutter das allerdings nicht bemerkt was sich hinten auf ihrem Rücken abspielt. So verbringt Klein-Omar meist den ganzen Tag hin und her schaukelnd ausser Sichtweite der Mama, die während dieser Zeit ihr Abreitspensum herunterarbeitet…Feldarbeit, Hausarbeit, Wasserholen...an seine Mutter gebunden, ist der Kleine ständig mit dabei. 
 
Westeuropa Abends: Klein-Kevin wurde aus der Krippe abgeholt und darf sich nun zuhause noch etwas mit Mama und Papa vergnügen, damit er auch noch was von seinen Eltern hat und noch ein wenig erzogen werden kann. In der Krippe machen sie doch sicher alles falsch. Dann geht’s ins Bettchen, denn morgen steht ja wieder ein anstrengender Tag an. 

Westafrika später Abends: Klein-Omar ist schon längst eingeschlafen als er aus seiner Kinderkrippe in sein Bettchen kommt. Mama hat zwar den ganzen Tag gearbeitet, trotzdem durfte er ständig bei ihr sein und an ihr kletten. Sicherlich auch ein tolles Gefühl, wenn auch manchmal ein bisschen einengend.

Eine Huldigung an alle afrikanischen Frauen welche ihre Kinder in der mobilen Kinderkrippe unterbringen.

Montag, 31. Januar 2011

Youssou N'Dour in Concert

Knapp 3 Wochen im Land (Wow geht das schnell) und schon bietet sich mir die Gelegenheit den wohl bekanntesten Senegalesen aus nächster Nähe zu erleben. Youssou N’Dour. Wer diesen tollen Musiker noch nicht kennt, sollte sich schleunigst mal ein paar Lieder anhören. Sogar einen Tag vor dem Konzert kann ich noch eine Karte ergattern. Eine halbe Stunde vor Beginn mach ich mich auf den Weg, denn im Gegensatz zu Veranstaltungen bei denen senegalesiche Organisatoren ihre Finger im Spiel haben, fangen die Konzerte im Institut Français halbwegs pünktlich an. Und so ist es auch kurz nach 21 Uhr hält das Publikum den Atem an …
 
… und als Youssou N’Dour die Bühne mit seiner Gefolgschaft aus Trommlern, Keyboardern, Gitarristen, Backgroundsängern betritt, kann sich die Menge nicht mehr zurückhalten und empfängt den Weltmusiker mit tosendem Applaus, der gerade mal die 40dB-Marke misst. Das war aber auch schon fast zu viel der Begeisterung. Schnell sinken die Hände wieder auf die Knie, wo sie bis zum Ende des ersten Stückes ihre Ruhe finden. 
Ihr seht ja selbst….Stühle. Damit die vielen „Expatriés“ es sich bei einem Gläschen Rotwein gemütlich machen können, wurde die Tanzfläche mit Stühlen zugepflastert und zwar so eng gestaffelt, dass selbst das kürzeste Tanzbein nicht geschwungen werden kann. Alles was auf dem Foto überlichtet ist, das sind die vielen Bleichgesichter, die paar schwarzen Pixel stehen für die wenigen Senegalesen die ihrem Landsmann zujubeln. 
 
Möglicherweise können wir Nordländer ja gar nichts dafür, dass wir keinerlei Rythmusgefühl besitzen und stocksteif auf unseren Stühlen verharren, während andere Völker scheinbar eine ganze Armee Zappelphilipps verschluckt zu haben scheinen. Vielleicht sind unsere Gelenke aber auch nur durch die ständige Kälte (ist doch sicher kalt bei euch oder?) einfach ein bisschen steif geworden.
Nach einer Weile, die sicherlich so 60min. andauert, hat es Youssou N’Dour mit seiner Bande geschafft die frostigen Gelenke der Bleichgesichter zu enteisen. Bis zum Ende der Vorstellung wiegen sie nun tapfer ihren verkrampften Körper im Takt des Reggae-Beats.
Trotz widriger Voraussetzungen wurde es dennoch ein tolles Konzert! :-)

Montag, 24. Januar 2011

Dead End


 
Die ehemaligen Kolonialmächte brachten die Eisenbahn nach Afrika um Rohstoffe einfacher aus dem Landesinneren an die Küste befördern zu können. Dadurch verfügen die meisten afrikanischen Länder heute nicht über ein komplexes Schienennetz, sondern oft nur über eine geradlinige Verbindung ins Landesinnere. Die Eisenbahnstrecke im Senegal sollte Dakar mit dem Niger-Fluss verbinden um so den Gütertransport an den Atlantik zu erleichtern. Seit dem Bau der Strecke Anfang des 20. Jh. scheint jedoch kein Geld mehr in die Unterhaltung gesteckt worden zu sein. Der Kopfbahnhof in Dakar, ein Überbleibsel längst vergangener Tage. Hier fährt nur noch gelegentlich ein Zug nach Bamako. Abfahrtszeit ungewiss, Fahrtdauer unterliegt der Anzahl der Entgleisungen und anderen Vorkommnissen unterwegs.
Doch all das soll sich ändern wenn es nach Präsident Abdoulaye Wade geht. Denn das Schienennetz soll auf normale Spurenweite umgestellt werden und ausserdem noch ausgebaut werden. Dazu sollen in denen nächsten Jahren hunderte Miliarden F CFA investiert werden. Neben diesem gigantischen Vorhaben wurden noch weitere sogenannter Grossprojekte vom Präsidenten persönlich initiiert. Beispielsweise ein neuer internationaler Flughafen, der jährlich bis zu 3 Mio. Fluggäste empfangen soll. Eine weitere Wahnsinnidee ist die Planung einer komplett neuen Stadt, die Dakar entlasten soll und neues politisches und administratives Zentrum werden soll. Fast könnte man meinen man befinde sich auf der arabischen Halbinsel, der Geburtsstätte verrückter Grossprojekte, mit dem einzigen Unterschied, dass der Goldesel hier nicht so viel ausspuckt. 



Dienstag, 18. Januar 2011

Voilà début

Blick auf die "Statue de la Renaissance Africaine"
Seit nunmehr einer Woche befinde ich mich auf der anderen Seite des Mittelmeers. Am Wochenende fand ich dann auch endlich mal Zeit Dakar ein wenig zu erkunden.Zusammen mit einer Bekannten von Désirée, einer anderen Praktikantin, und deren Anhang haben wir einen Ausflug auf die Ile de Gorée gemacht. Die Insel gehört seit 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Biszur Abschaffung der Sklaverei wurden hier jährlich bis zu 500 Sklaven verschifft. 
Heute zählt Gorée zu den Hauptattraktionen Dakars, hier kann man der Grossstadthektik für einige Stunden entfliehen und  die Ruhe geniessen. Die Insel ist auch in Zeiten von nicht abebbenden Touristenströmen noch von Einheimischen bewohnt, alles wirkt authentisch und noch ist das Bild nicht von Hotelklötzen getrübt. 

Ile de Gorée

Unser Ausflug endete selbstverständlich nicht als wir wieder im Hafen Dakars angekommen waren, sondern wir mussten noch unbedingt mit der Sippschaft zu Abend essen. Obwohl wir eigentlich nach Hause wollten da es schon recht spät wae, wurde uns versichert das Essen sei auch schon fertig. Wir haben dann auch recht schnell nach etwa einer Stunde Warten angefangen mit essen. So langsam gewöhnt man sich an die Zeitangaben. 
Ein Fettnäpfchen habe ich schon voll erwischt: Ankunft mit dem Taxi  auf dem Weg zu Désirées Freundin Kya. Wir steigen aus und gleich steht schon ein kleines Mädchen vor mir und streckt die Hand aus. Natürlich kann man hier nicht jedem Bedürftigen etwas geben und so auch in diesem Fall. Ich dreh mich weg und wir wollen los gehen, als das Mädchen fragt ob wir zu Kya wollen. Sie sei nämlich ihre Schwester und sollte uns abholen. Später wurde die Geschichte dann zum Gelächter der ganzen Familie (und die Familien sind gross) vorgetragen. Lektion der Geschichte: Wenn dir jemand die Hand entgegenstreckt, ergreife sie und schüttele sie!


Dakar "Skyline"