Das Weltsozialforum wurde 2001 in Porto Alegre (Bra) als Gegenveranstaltung
zum Weltwirtschaftsforum in Davos ins Leben gerufen und soll eine Austauschplattform ür Globalisierungskritiker aller Länder schaffen. Unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" versammelten sich auch zum zehnjährigen Jubiläum des Forums über 50.000 Menschen in den Strassen Dakars.
Erwartungsvoll begab ich mich am ersten Tag der Veranstaltungen zur Cheikh Anta Diop Universität in Dakar, hier sollten alle Konferenzen, Debattiersitzungen usw. stattfinden. Ein denkbar ungünstiger Tagungsort, denn die Uni ist mit ihren rund 60.000 Studenten nicht nur hoffnungslos überfüllt. Des Weiteren ein äusserst ungünstiger Zeitpunkt denn die Veranstaltungen finden in der Klausuren-Phase der Studenten und auch in deren Hörsälen statt.
Das Programm für Montag beinhaltet schlappe 341 Veranstaltungen. Nachdem ich mich mühevoll für 2 entschieden hab (da sich etliche interessante auch noch überschneiden) versuche ich den Saal der ersten aufzuspüren. Noch 45. Min Zeit, das reicht locker. Jedoch will entweder keiner den gesuchten Raum kennen oder alle haben sich gegen mich verschworen und schicken mich immer wieder woanders hin. Selbst nachdem ich mich einer verzweifelten Gruppe aus Mitsuchern angehängt habe, bleibt es uns verwehrt den besagten Raum zu finden und an der Veranstaltung teilzunehmen...
Somit heisst es 3 Stunden warten. Naja die Zeit kann man sich am besten mit was zu Essen vertreiben. Es gibt lecker Brötchen mit Senf, Zwiebelsauce und so eine Art aus gefüllten Teigbällchen, yummi! Ich such mir ein schattiges Plätzchen und esse bis ein Typ ankommt und Geld haben will und erzählt er habe schon seit gestern nichts gegessen. Ich biete ihm statt Geld mein halbes Brötchen an, was er zuerst ablehnt und weiterhin auf eine Geldspende beharrt. Schliesslich nimmt er das Brötchen doch, um es dann wenige Meter vor mir demonstrativ auf den Boden zu pfeffern und genüsslich mit der Schuhsohle zu zermalmen.
Verdammte Axt, ich glaub's ja nicht!
der Tag wurde allerdings auch nicht besser. Den Raum der zweiten Veranstaltung fand ich zwar, allerdings wollte da auch noch eine andere Gruppe hinein. Da der Raum ohnehin von Studenten belegt war und die Diskussionsleiter nicht auftauchten, war der Tag für mich gelaufen.
Wie der zweite Tag verlaufen ist will ich jetzt nicht im Einzelnen schildern, man lese sich einfach den oberen Textabschnitt nochmals durch (und streicht die Brötchen-Geschichte).
Alles in allem ein Meisterwerk an organisatorischem Unvermögen. Es drängt sich die Frage nach der Effektivität einer solchen Massenveranstaltung auf. In solch einem chaotischen Klima lassen sich sicherlich keine innovativen Ideen zur Weltverbesserung generieren. Ganz nach dem Motto "Eine andere Welt ist möglich", so wird das allerdings nichts.
Ohje, das gute Brot. Wie waren denn die restlichen Tage noch? Genauso enttäuschend?
AntwortenLöschenDie restlichen Tage waren letzlich eine Fortsetzung der Misere der ersten Tage...alles in allem ziemlich enttäuschend.
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