Samstag, 5. Februar 2011

Die mobile Kinderkrippe


Westeuropa früh morgens: Der kleine Schreihals der einem mal wieder den Schlaf geraubt hat, wird eilig in seinen Strampler gesteckt. Kaum ist er auf der Welt und schon wird ständig rumgenölt. Schnell gibt’s noch ein Fläschen auf ex, dann geht’s in den Wagen und ab Richtung Krippe. Man muss ja schliesslich zur Arbeit. 

Westafrika noch früher morgens: Der kleine Schreihals ist nicht der einzige der einem Nachts den Schlaf geraubt hat, da sind ja noch die sieben anderen Kinder die unruhig geschlafen haben. Der Kleine wird an die Brust gehängt während die Vorbereitungen für das Frühstück erledigt werden. Arbeit bedeutet hier die Zeit in der man nicht schläft, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang (dies trifft für die örtliche männliche Gattung sicherlich weniger zu). 
 
Westeuropa im Laufe des Tages: Man sitzt im Büro und weiss, dass für der kleine Scheisser ordentlich versorgt wird, die Windeln gewechselt werden und er was anständiges zu essen bekommt. Ruhigen Gewissens lässt es sich der Arbeit nachgehen, bald ist man ja wieder zuhause und kann sich selber kümmern. 

Westafrika im Laufe des Tages: Nachdem der Kleine fertig genuckelt hat, wird er sorgfältig mit einem Tuch auf den Rücken gebunden. Manchmal sieht das nicht sonderlich gemütlich aus, insbesondere wenn diverse Körperteile eingequetscht oder verdreht werden, die Mutter das allerdings nicht bemerkt was sich hinten auf ihrem Rücken abspielt. So verbringt Klein-Omar meist den ganzen Tag hin und her schaukelnd ausser Sichtweite der Mama, die während dieser Zeit ihr Abreitspensum herunterarbeitet…Feldarbeit, Hausarbeit, Wasserholen...an seine Mutter gebunden, ist der Kleine ständig mit dabei. 
 
Westeuropa Abends: Klein-Kevin wurde aus der Krippe abgeholt und darf sich nun zuhause noch etwas mit Mama und Papa vergnügen, damit er auch noch was von seinen Eltern hat und noch ein wenig erzogen werden kann. In der Krippe machen sie doch sicher alles falsch. Dann geht’s ins Bettchen, denn morgen steht ja wieder ein anstrengender Tag an. 

Westafrika später Abends: Klein-Omar ist schon längst eingeschlafen als er aus seiner Kinderkrippe in sein Bettchen kommt. Mama hat zwar den ganzen Tag gearbeitet, trotzdem durfte er ständig bei ihr sein und an ihr kletten. Sicherlich auch ein tolles Gefühl, wenn auch manchmal ein bisschen einengend.

Eine Huldigung an alle afrikanischen Frauen welche ihre Kinder in der mobilen Kinderkrippe unterbringen.

7 Kommentare:

  1. ich persönliche finde deine schilderungen zur huldigung der mobilen babykrippe gefährlich! ich würde deinen beitrag gerne hinsichtlich des genderaspekts (klare männer und frauenrollen verteilung und wie sind die chancen sich selbst dazu zu entscheiden?) und hinsichtlich der anerkennung einer zu schützenden lebensphase kindheit hinterfragen (was hat das für folgen, dass das kind in seiner bewegungsfreiheit eingegrenzt ist, nichts eigenständig entdecken kann, etc.).
    stehe gerne für weitere diskussionen bei deiner rückkehr bereit.
    elena

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  2. Der Beitrag soll lediglich die schwere Situation der Frauen in ihrer Doppelrolle als Mutter und Arbeiterin/Haushälterin schildern.
    Des Weiteren handelt es sich um einen deskriptiven Beitrag und keinen analytischen, damit will ich die Frage des Genderaspekts hier mal ausklammern. Dennoch können wir darüber mal diskutieren.:)
    Ich glaube auch nicht, dass die Kinder Schaden davon tragen, dass sie in ihrer ersten Zeit auf der Welt auf dem Rücken der Mutter gebunden sind.

    Danke für den Kommentar, könnten ruhig mehr sein!;)
    LG Josh

    P.S.: meiner Meinung nach gibt es keine "zu schützende Lebensphase, sondern nur ein zu schützendes Leben"

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  3. ich habe die Beschreibung des Alltags der Senegalesischen Mütter weniger als eine Hommage an diesen verstanden, vielmehr empfinde ich einen Respekt gegenüber der Art wie diese Frauen ihre Lebensumstände annehmen können und damit umgehen. Natürlich bietet das Leben im Senegal und ähnlich situierten Ländern alles andere als optimale Bedingungen für grosse Bevölkerungsanteile, weder für die Kinder, noch für die Frauen, aber auch nicht die für Männer.
    Sicherlich ist die Genderfrage dort relevant und geht ihrer ganz eigenen Wege (nicht wie hier in europe)deshalb müssen für deren Lösung wahrscheinlich auch andere Pfade eingeschlagen werden, immer im Kontext.

    Eva

    P.S. Lieber Josh, es ist sehr schön immmer mal wieder, während meiner Internet Lern Pausen, in deinem Blog herumzuschauen!

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  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  5. Also ich würde gerne öfter getragen werden. Egal ob von Dir Josh (Mann) oder Dir Elena (Frau). Übrigens mal wieder bezaubernde Bilder, Josh! Super.

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  6. Schön, dass du für kurze Zeit immer mal wieder der Lernwelt entflüchten kannst. Leider hab ich noch nicht so viel Material öfters einen Blog zu schreiben, aber es folgen sicher noch ein paar.
    Hoffe zuhause ist alles in bester Ordnung!:)

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  7. Fabian, das kannst du dir aus dem Kopf schlagen...du hast ein Fahrrad welches dich durch die Gegend fahren kann.;)
    Freut mich, dass dir die Bilder gefallen, leider sind es noch nicht so viele...viel erfolg bei den Klausuren Dude!

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